Trauma

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Kerstin, 22 Jahre, Medizinisch-Technische Assistentin
„Ich habe Angst, die Straße zu überqueren. Die Sirenen von Feuerwehr oder Rettungswagen lösen bei mir Zittern, Herzrasen und Schweißausbrüche aus. Albträume lassen mich nachts nicht zur Ruhe kommen. Wegen Migräne und Kollapszuständen war ich vor Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Damals habe ich Drogen ausprobiert und viel getrunken.
In der letzten Zeit habe ich Unmengen an Essen in mich rein geschlungen und später wieder erbrochen, zeitweise habe ich mir mit der Rasierklinge den Unterarm aufgeritzt.
Wenn ich im Hausflur an der Nachbarstür vorbei komme, rast mein Herz. Irgendwie erinnert es mich an die Tür unseres Nachbarns ausder Kindheit.“ Gibt es konkrete Gründe für meine Gefühle?
Die Aufstellung deckte frühkindlichen Missbrauch durch den Nachbarn auf (dieser ist nach einem Gerichtsverfahren hinter Gittern). Über die Übung mit dem sicheren Ort, eine Methode, die dem Betroffenen vorrangig Sicherheit vermittelt, konnte die Aufarbeitung einsetzen: Es ist passiert, es ist mir passiert und es ist vorbei“.


Posttraumatische Belastungsstörung (PDBS)
posttraumatic stress disorder (PTSD)
Die Kenntnisse über diese Störung stammen aus der Arbeit mit Kriegsheimkehrern. Entstanden ist es durch eine sehr starke bedrohliche, machtlose Situation, die nicht selbst beendet werden konnte. Flucht oder Aggression ist nicht möglich, das Überleben kann nur durch Unterwerfung und Erstarrung gesichert werden. Gefühle werden völlig abgespalten (siehe Dissoziation), es kommt zu einer dauerhaften Überflutung mit Stresshormonen noch länger als 6 Monate nach dem auslösenden Ereignis. Extreme Wachsamkeit, Panik- und Angstattacken, erhöhte Reizbarkeit, Angst und Schlafstörungen sind dauerhafte Folgen. Vermeidungssymptome wie Motivationsverlust, Rückzug bis zur Isolation, Hilf- und Hoffnungslosigkeit bis zur Depression entstehen. Scheinbar belanglose Erlebnisse, Alltagsbilder oder in den Nachrichten, Geräusche, Gerüche, die an das erlittene Trauma erinnern, Flashbacks (Wiedererleben früherer Gefühlszustände), üben heftige psychosomatische Reaktionen aus. Die Abspaltung von Gefühlen hat im Moment der seelischen Todesnähe das Überleben garantiert. Wird es zum Dauerzustand, führt es in einen tranceartigen Bewusstseinszustand und fehlendem Erleben des Jetzt. Die Seele ist zersprungen wie ein Spiegel, dessen Teile nicht mehr zusammengefügt, integriert werden können. In dieser Situation entsteht die Illusion von „Nicht-Ich“ und „Nur-Ich“. Die Illusion des „Nicht-Ich“ erzeugt folgende Vorstellungen: Es ist nicht passiert - ich war nicht dabei - es ist ihr/ihm passiert, nicht mir - es ist zwar passiert, aber es hat mir nichts ausgemacht - es ist zwar passiert, aber ich habe es längst überwunden. Das “Nur-Ich“ erzeugt Selbstvorwürfe und Vorstellungen wie: Ich bin schuld - hätte ich nur, dann wäre nichts passiert - ich komme nie darüber weg - ich habe es ja selbst so gewollt, habe freiwillig mit gemacht - bin auch so eine/r. Die Verursacher von sexueller und körperlicher Gewalt sind häufig im engsten Umfeld zu finden. Eine frühe Traumatisierung kann durch die Trennung von der Mutter eintreten. Die Erfahrung wird im Erbgut abgespeichert und kann Jahrzehnte später Krankheiten auslösen. In der Arbeit als Familientherapeut haben wir erfahren, dass frühkindliche Krankenhausaufenthalte, besonders bis in die Siebziger, viele traumatisiert haben. Besuchsverbote für Eltern, physische medizinische „Gewalt“ haben sich verheerend auf die kindliche Psyche ausgewirkt.